Ich habe ja schon lange nichts mehr hier geschrieben, sondern tippe meistens nur nebenan im kleinen Blog, aber machen wir doch mal wieder eine kleine Ausnahme, auch wenn der Beitrag vermutlich ganz schön chaotisch wird…
Oster-Feiertage sind ja und somit ist wenig Verkehr zeitig in der Früh, ein Umstand, den ich äußerst begrüße… denn nur dann macht Fahren auch irgendwie manchmal sogar Spaß und ich genieße das gemütliche, gemächliche Cruisen durch langgezogene Straßen, ein gutes Hörbuch spricht aus dem Off und begleitet einen Kommissar durch seine Suche nach dem wahren Täter und Mörder. Columbo-Style, das Ganze vermischt mit warmen Sonnenstrahlen, leicht geöffneten Fenstern und Grünphasen bei den Ampeln in der 30er-Zone. Idealer Tag also, um den halbvollen Tank des Autos erneut halbleer zu machen und endlich wieder ein wenig durch den Wald zu stapfen.
In einem richtigen Wald mit allem Drum und Dran war ich nämlich jetzt schon länger nicht mehr so richtig, es fehlte mir irgendwie die Dynamik dazu, aber umso mehr hat es damit heute gut getan, mal wieder Vogelgesang und das Knistern von Fichtennadeln und Ästen unter den Füßen hören und spüren zu können. Auch das Knacken von Holz aus dem Laubdach, das durch die aufgehende Sonne am frühen Morgen langsam mehr und mehr zum Arbeiten und Verformen beginnt.
Aja, Holz… da war ja etwas. Ein reichhaltiges Thema. Ich habe das zwar schon in einem der letzten Beiträge erwähnt, aber dennoch von Anfang an. Vor einiger Zeit hatte man mir aus der Ferne berichtet, dass ein Häferl hinuntergefallen sei und dieses Trinkgefäß war dabei von mir mal als Geschenk gereicht. Ich dachte im ersten Moment gleich daran, einfach ein Neues zu besorgen, aber einerseits ist der Sparstrumpf zur Zeit gar etwas sehr schlank und zugleich war das aber auch irgendwie der Auslöser im Kopf, dass ich doch sicherlich in der Lage bin und sein muss, selber ein richtiges Häferl aus Holz zu machen. Hätte ich dann ganz stolz gereicht. Mit Griff, schön geschliffen, satt und solide in schöner Holzmaserung.
Nachdem ich dann einfach kurzerhand mal eben eine Art von Becher aus viel zu weichem, brüchigen Holz über Stunden und laut klopfend in den Abendstunden als Fehlschlag verzeichnen musste, war mir klar, dass man so ein Unterfangen nur mit einem härteren Holz und entweder richtigem Schnitzwerkzeug fabrizieren kann oder eben mit maschineller Unterstützung. Et voilà… und hier findet sich der Keim des Ganzen. Die Idee der Drehbank war geboren und hatte sofort auch ihren Reiz, denn damit lassen sich generell nicht nur Gefäße aus Holz recht gut erstellen, sondern Griffe, kleine Stützen und so weiter.
Über das Vorhaben an sich hatte ich im letzten Beitrag bereits ein paar Sätze und auch Überlegungen getippt, in der Zwischenzeit ging das natürlich munter weiter… allerdings vorläufig noch ohne Happy End. Wie so oft, steckt der Fehler dann doch im Detail bzw. den kleinen, unscheinbaren Dingen – speziell und hauptsächlich dann, wenn man ohne richtiges Werkzeug arbeiten muss.
Eines habe ich aber durch die Experimente gelernt – nie wieder billiges Werkzeug bzw. Geräte je kaufen. Es lohnt wirklich nicht und vielleicht sind die älteren, teureren Markengeräte eine der letzten Bastionen, wo der Preis tatsächlich den Unterschied macht. Bereits vor Jahren hatte ich mir eine sehr billige Stichsäge gekauft (so ein ~50 Euro-Ding im Set) – bereits nach der Holzküchenplatte (1x also) war der gesamte Hobel-Aufbau verzogen und schief, wacklig und außer laut kaum mehr funktionell. Auch eine kleine Dekupiersäge für den Mini-Hobby-Bereich, die ich mir damals billig zusammengespart hatte, macht mittlerweile bereits bei Weichholz-Holzplatten ab 4mm schlapp oder die Sägeblätter reißen im Minutentakt, ein Vorwärtskommen gibt es dabei so gut wie gar nicht. Völlig unnötige Investitionen, die ich so nicht mehr wiederholen würde und auch niemanden raten möchte.
Bisher war das allerdings nie so ein wirkliches Problem im Alltag, aber in den letzten Monaten hatte und habe ich ein ziemliches Verlangen, mir einige Dinge selber zu bauen und auch ein paar Handwerksstücke anzufertigen (und zudem dabei zu lernen). Die Drehbank sollte da gewissermaßen der Einstieg sein, aber es scheitert eben ironischerweise am restlichen Werkzeug.
Der kleine Test mit dem Mini-Elektromotor war nett und funktionstüchtig, aber bei den größeren Dimensionen beginnt dann die Odyssee und die auch zugegeben sehr herausfordernden Suche nach den passenden Teilen. Da ich weder über eine Tischkreissäge noch eben Stichsäge verfüge und per Hand säge, ist – egal wie – bei größeren Teilen immer irgendwie etwas schief… also wollte ich das Ding mal eben aus Metall bauen.
Einfach Lochplatten, Gewinde, Schrauben und anschließend Alles zusammenfügen. Stabil, lebenslang, wartungsarm und schnell erledigt. Dachte ich. Bis ich dann feststellte, dass man in Bauhäusern und Co. zwar eine Vielzahl von Winkeln, Lochplatten und Co. kaufen kann… aber nichts ist untereinander standardisiert. Jede Platte oder Winkel hat seine eigenen Bohrungen (und Bohrlochgrößen) nach Gutdünken an verschiedenen Stellen, auch die Breiten oder Längen sind eher bunt gemischt, somit kann man auch unterschiedliche Teile nicht einfach zusammenstellen, ohne, dass es irgendwo keinen Überstand gibt oder sich etwas überlappt oder verdeckt.
Man müsste also selber das Metall zusägen… per Hand…… und Bohrungen anlegen. Wer schon mal mehrfach Metall gebohrt hat, speziell diverse, rostfreie, gehärtete Legierungen wie bei Schwerlastwinkeleisen, weiß, dass das mit der Hand, ohne ausreichender Fixierung und je nach Dicke eine Mischung zwischen Abenteuer und Leichtsinn darstellt. Für das Werkstück, für sich selber und vor allem im meinen Fall, wo jede Bohrung auf den Millimeter genau stimmen müsste, da geht ein leichter Versatz nicht – schließlich sollte die Welle sich exakt in den Kugellagern drehen. Etwas Verzug und die Belastung wirkt zerrend, der Antriebsriemen lauft schief und im schlimmsten Fall bricht ein Teil im unpassenden Moment.
Wir schalten aber mal kurz den Kopf ab und stapfen wieder ein wenig durch den Wald, genießen die Stimmung und das warme Gefühl, das an diesem windstillen Tag in Einem langsam aufsteigt… mmmhhh. Überall sieht man bereits die ersten Frühlingsboten, sogar ein paar Käfer krabbelten und eine Biene surrte bereits an mir vorbei. Wunderschön.
Metall sinnvoll bohren geht eigentlich ausschließlich (und sicherer) mit einem Tischbohrer und den notwendigen Fixierungen. Naturgemäß. Es gibt zwar so Bohrständer, in die man eine normale Bohrmaschine einspannen kann, so ein Teil besitze ich sogar, aber die sind ebenfalls eher ungenau, leicht wacklig und ermöglichen vielleicht gerade Löcher während einer Bohrung, bei der Zweiten ist schon wieder ein anderer Versatz dabei.
Ich habe es nach ein paar misslungenen Teilen aufgegeben. Vor allem wenn man mehrere Löcher auf verschiedenen Metallstücken anfertigen muss und die untereinander danach aber auf den Millimeter genau passen müssen, ohne dass irgendwas verzogen wird dabei. Ade Metall!
Stattdessen habe ich mich wieder dem Holz gewidmet, auch dann endlich bei einem Elektronik-Geschäft (!) eine Silberstahl-Welle um wenige Euro aufgetrieben, sowie die zugehörigen Sicherungs- und Stellringe… also eigentlich alle Komponenten, die man für eine Drehbank eben so braucht. Als Antriebsmotor ist mir irgendwann übrigens die Rund-Schleifmaschine aus der Kiste eingefallen, denn der Motor hat sogar eine freie Antriebswelle auf einer Seite für den Riemen (billig, der Bandschleifer auf der Seite war vom ersten Tag an schief und segnete bald das Zeitliche) und somit war ich wieder guter Dinge.
Also Holz für die Stützen, Streben und so weiter. Wohlgemerkt… keine Stichsäge, keine Tischkreissäge. Also per Hand ein Schwungrad sägen, per Hand ein Antriebsrad sägen (eigentlich zwei – klein und groß), per Hand Stützen sägen, per Hand Bodenplatte sägen und dann nach Beinahe-Herzinfarkt, Muskelkater und Verkühlung durch das zugige Fenster daneben, sowie den 5 Kilo Sägespänen in der Wohnung, im Bett, auf und in den Katzen, in den Haaren und Kleidung und das Alles auch noch in einer kleinen Altbauwohnung mit genervten Nachbarn, die nach stundenlangem Sägen irgendwann sicher auch die Wände rauf gehen… habe ich erkannt, dass das so nichts wird. Auch mit Sägehilfe, die natürlich wiederum zu klein ist für große Platten und die Platten wiederum zu dick sind für gerade Schnittkanten, wenn man an die 8 Stück anfertigt… es fehlt die notwendige Genauigkeit. Und die Nerven.
Übrigens haben beim Ausflug heute nicht nur ein Specht, sondern auch etliche Dohlen über meinem Kopf ihr Unwesen getrieben und laut fröhlich und frech einen Himmelstanz vollzogen. Auch schon lange nicht mehr erlebt. Ich mag ja so eine von Menschen unberührte Stimmung sehr – und aus welchen Gründen auch immer, muss ich da an meine Kindheit denken, als Konrad Lorenz, die Graugänse und auch Otto König eine sehr große Rolle in meinem Leben spielten.
Mmmhhhh…. Das Jahr der Graugans – ich kann dieses Lorenz-Buch mit schöner, angenehm unwissenschaftlicher Erzählung und zugleich dokumentarischer Geschichte in Tagebuch-Form ja nur jedem herzlich empfehlen, auch wenn es fast ab der Mitte ein wenig wehmütig wird, weil viele Stimmungen festgehalten werden und man selber am See sitzen und den Gänsen zuschauen möchte. Wirklich sehr schön zum Lesen im Sommer jetzt, auch wenn man jetzt sich nicht für Verhaltensforschung dabei interessieren muss. Lesetipp.
Wo war ich? Ach ja… also ich habe drei Prototypen ausprobiert, mit viel Sägen, viel Schleifen und schief Bohren, und musste jedesmal akzeptieren, dass die Unwucht doch zu groß ist und das Teil zu instabil ist, um eine solide, nutzbare Drehbank ernsthaft zu bauen. Mit dem jetzigen Stand lässt sich kein Holzbecher drehen, ebenso kein Griff oder dergleichen. Denn mit der Größe steigt die Masse, die sich bewegt, damit auch die Kräfte. Und die sind bei schnell rotierenden Holz nicht ohne, vor allem dann, wenn man man das Teil bearbeiten möchte… sprich Beitel ansetzen – ist alles zu locker und zu schwach, blockiert das Teil und alles fällt auseinander. Für mehr Kraft und Geschwindigkeit müsste ich exakter Arbeiten, was aber eben im Millimeter-Bereich und mit dem zu weichen Bauholz kaum schaffbar ist. Und Hartholz per Hand sägen ist gelinde gesagt… eine Herausforderung.
Nun ja. Ich mag das Material dennoch sehr und würde deshalb gerne mal „größere Dinge“ wagen, als nur die kleinen Fingerhut-Werkstücke. Mal einen kleinen Schemel selber bauen, eine Drehbank eben, eine kleine Holzschale und Häferl, ein kleines Schuhgestell, das nicht nach „Oje“ ausschaut, weil es aus drei windschiefen Leisten zusammengeklopft ist und schiefe Bohrungen aufweist. Und alles schön abgeschliffen. Aber vor allem eben: exakt angefertigt.
Sollte sich die aktuelle Lebenssituation eines Tages doch noch auch mal wieder verbessern, möchte ich einen soliden Tischbohrer und eine kleine Tischkreissäge. Gute, solide Teile ohne Spiel und langlebig… ich habe alleine bei den Metall-Versuchen zwei kleine Bohrer in Pulver zersplittert (bei mehrlagig gepressten, dicken Metallplatten 1-2cm und auf den Millimeter genau, brav wie ich bin alles mit Schutzbrille), zwei dünne Holzbohrer haben das Zeitliche bei schiefen Bohrkanälen (danke Bohrständer) und mehrfachen, beidseitigen Ansatz gesegnet und der rechte Oberarm hat in etwa einen Zentimeter an Umfang mit jedem fehl geschnittenen Holzstück gewonnen.
Nachtragend bin ich aber nicht… auch ist das Drehbank-Projekt ein äußerst guter Lernfaktor gewesen und ist es noch, speziell wenn man mal wirklich ernsthaft exakt Etwas von 0 an selber bauen möchte… da lernt man Einiges dazu, stärkt seine Handwerkfähigkeit und das gesammelte Wissen ermöglicht natürlich noch mehr Ideen und Möglichkeiten in der Zukunft.
Wenigstens ein kleineres Bastelwerk soll die nächsten Tage mal folgen – ein kleines Vogelhäuschen. Das steht schon lange auf der ToDo-Liste und da ist es auch egal, ob was schief oder etwas grob ist. Da wirken keine Fliehkräfte und in der Natur da draußen ist glücklicherweise selten Irgendetwas genormt oder gerade. Dort ist das pure Leben in all seinen Formen.
Aja, wenn wir schon bei dem Thema wiederum sind… ich habe ja vor einiger Zeit meinen Fernseher abgebaut. Nachdem ich dann ein paarmal doch der Verlockung erlegen bin, habe ich das Teil daraufhin in einer Kiste verstaut und siehe mal an… seitdem fehlt er in keinster Weise. Als hätte ich nie einen gehabt, seit Wochen nun schon. Am Laufenden bleibt man zudem mittlerweile sowieso viel umfangreicher durch das weltweite Netz mit dem Smartphone und Laptop und der eine oder andere Film findet sich dort ebenso.
Stattdessen steht also nun auf dessen Platz auf dem Kästchen die aus dem Winterschlaf erwachenden… Ameisen im Formicarium. Frisch ausgestattet mit einem Wurzelstück aus dem Wald. Fühlt sich gut an. So analog-biologisch.
Nachtrag: Immerhin haben sich die Holzreste und die Säge zu einer kleineren, „neuen“ Tischplatte und Pflanzenstütze zusammengefunden. Besser und stabiler als mit der vorherigen Überlänge, auch zum Werken mit Holz… da wackelt nicht mehr so viel. Das Fenster zum Hof. Immerhin jetzt langsam wieder mit etwas Sonne am späten Nachmittag und einer vor dem Abfalleimer geretteten Pflanze.